Lobbyismus und Zynismus

Wie Lobbyisten mit unserer Gesundheit spielen

Unsere Abgeordneten und Ministerien lassen sich von der Pharma- und Tabaklobby beraten und verkaufen das Ergebnis auch noch als Verbraucher- und Gesundheitsschutz. Ich kotze im Strahl.

Europaparlament Nr 7
von Björn Laczay CC BY 2.0

Wohin ich auch schaue, das Internet ist voll von Berichten über die Gefährlichkeit der E-Zigarette. In 4 Monaten tritt die Letzte Stufe der Umsetzung der EU Tabakrichtlinie in Deutschland in Kraft. Danach dürfen nikotinhaltige Flüssigkeiten nur noch in Gebinden zu 10ml mit max. 20 mg/ml Nikotin verkauft werden. Das Ganze muss in Umverpackungen und mit Beipackzettel und Warnhinweisen versehen sein.

Ich gebe zu. Ein wenig Regulierung schadet dem E-Zigarettenmarkt bestimmt nicht. Allgemeinverbindliche Standards für die Produktion von Liquids sind wünschenswert und Verbraucherschutz.

Allerdings hat es den Anschein, dass nun mit Gewalt ein Markt, der geprägt ist durch viele kleine Unternehmen und nebenbei viel Kreativität, kaputt gemacht werden soll zugunsten der Großunternehmen.

Vor 2 Jahren gab es einen Vorschlag man sollte die E-Zigarette doch den Nikotinersatzpräparaten gleichstellen. Das hätte bedeutet, dass es Liquids nur in Apotheken gegeben hätte, mit entsprechenden Auflagen in der Produktion und Herstellung. Wer steckte dahinter? Die Pharmalobby, allen voran Glaxo Smith Kline.

Seit der Einführung der E-Zigarette brachen die Umsätze für Nikotinsprays, -kaugummis, -pflaster und ähnliche Unsinnigkeiten um ein Drittel ein. Nebenbei ein Millionenmarkt. Da nicht sein kann, was nicht sein darf Kamen die Pharmaunternehmen auf die Idee sich das Geschäft unter den Nagel zu reißen. Tja, schade. Hat nicht geklappt.

Nun, Big Tobacco hat die Entwicklung auch verschlafen. Also holten nun die Lobbyisten in Brüssel und Straßburg längst Versäumtes nach. Man bearbeitete die Abgeordneten so lange, bis die EU-Tabakrichtlinie unter Dach und Fach war. Und schon war man wieder im Boot.

Mit den nun kommenden Auflagen steht zu befürchten, dass sich das Dampfen deutlich verteuert. Es wird aufwändiger, sowohl neue Liquids als auch neue Geräte auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig wird die Liquidauswahl viel kleiner, da jede neue Rezeptur gemeldet werden muss. Neugeräte müssen ein halbes Jahr vor Verkauf zugelassen werden. Ein echter Wettbewerbsnachteil in einem so schnelllebigen Markt. Und warum? Weil die Tabaklobby Zeit braucht.

Außerdem möchten die Tabakunternehmen die E-Zigarette gerade nicht als Ersatz, sondern als Zusatzprodukt für die Momente im Leben, in denen Rauchen nicht geht. Deshalb sehen die Produkte so ähnlich wie Zigaretten aus, haben winzige Akkus, die nach 15 Zügen abschalten und kleine Liquidreservoirs. Dies Alles dient dazu, das Dampfen dem Dampfer nicht all zu bequem zu machen.

Glauben Sie nicht? Am Ende des Artikels finden Sie einen Link zu einem kurzen Beitrag von Arte, fachlich nicht ganz richtig, aber sehr sehenswert.

Was mich maßlos aufregt, ist, dass das Ganze von unseren Politikern als Verbraucher- und Gesundheitsschutz deklariert wird und einzig und allein den Interessen der Konzerne dient.

Ich zahle einen nicht unerheblichen Teil meines Gehaltes an Steuern. Davon werden unter Anderem auch die Diäten der Politiker finanziert. Kann ich da nicht erwarten, dass ich eine Leistung für mein Geld bekomme? Kann ich da nicht erwarten, dass sich die Abgeordneten mal bitteschön selbst die Mühe machen und sich unabhängig informieren?

In der Schule wird die Einführung eines Faches „Medienkompetenz“ gefordert. Gut so! Das Gleiche erwarte ich von unseren Volksvertretern. Es sollte doch für den durchschnittlich begabten Abgeordneten möglich sein, dass er sich Gedanken über die Absichten der Lobbyisten macht, die ihn beraten.

Sollte es weiterhin zu viel verlangt sein, dass die Ministerien, wenn sie sich beraten lassen, nur wenigstens einmal auf die Aktivitäten der Wissenschaftler schauen? Ist es wirklich so schwer zu erraten, dass ein Institut wie das DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum), welches sehr eng mit der Pharmaindustrie zusammenarbeitet eventuell in manchen Fragestellungen nicht ganz unabhängig ist?

VERLANGE ICH WIRKLICH ZU VIEL? Wenn ja, möchte ich bitte meine Steuern zurück!

Link zu dem oben erwähnten Beitrag von Arte.

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